Ein Markus Priem berichtet in der Hauspostille der IHK Flensburg, daß die Flensburger Brauerei Emil Petersen gemeinsam mit der Beate Uhse AG ein “Erotik-Bier” auf den Markt bringe.
Das ist natürlich kein distanzierter journalistischer Artikel, den dieser Priem da verfaßt hat, sondern schiere Werbung.
Unbezahlt?
Bezahlt?
Will nun vielleicht jemand einwenden, daß kritischer Journalismus ja auch gar nicht das Ziel einer IHK-Zeitschrift sein könne?
Und daß doch da die Interessen der Unternehmer vertreten würden?
Wohl wahr, aber ist es nicht so, daß dort eben hauptsächlich die Interessen der großen Unternehmen vertreten werden?
Hat denn ein Kleinunternehmen eine Chance auf einen halbseitigen werbenden Artikel inklusive Farbfotos ihrer Produkte?
Schamlos aber ist der Artikel Priems nicht nur in diesem Sinne, denn es ist doch überdies bemerkenswert, daß man ohne weiteres über Produkte eines Erotik-Unternehmens berichtet.
Aber das ist wohl ein Trend der Zeit:
Auch die Sexshops verlassen ja die Schmuddelecken und beginnen, gesellschaftsfähig zu werden.
Was halten wir nun aber davon?
Es soll doch niemand meinen, dies habe mit sexueller Befreiung zu tun.
Was könnte spießbürgerlicher sein, als auf “Reizwäsche” und dergl. zu stehen?!
Auf ReizWORTE jedenfalls setzt Priem in seinem Artikel, dessen Bilduntrerschrift lautet:
“Die neue 0,33-Liter-Bügelflasche lässt es ploppen.”
Sollte der Mensch es tatsächlich originell finden, derart auf das Wort “poppen” anzuspielen, das eine im westdeutschen Raum weitverbreitete umgangssprachliche Bezeichnung für den Geschlechtsverkehr ist?
(Dieser Aufklärung hättet Ihr nicht bedurft?
Verzeihung!)
Das Bemerkenswerteste an Priems Beitrag ist jedoch, daß er die Beate Uhse AG als “eines der führenden Erotikunternehmen Flensburgs” bezeichnet.
Ist der Mann ein Schelm, oder hatte er beim Abfassen des Artikels zuviel des angeblich erotisierenden Gerstensaftes intus?
EINES der führenden Erotikunternehmen?
Flensburgs?
Das hieße, daß es in unserer Stadt eine Reihe anderer Erotikunternehmen ähnlicher Größe gäbe.
Von den kleineren fast zu schweigen.
Wenn dem aber so wäre, dann würden doch wohl fast alle Flensburger Werktätigen in der Erotik-Branche arbeiten, und sämtliche Studenten, Studentinnen und Azubienen würden sich als Produkttester für Artikel der betreffenden Firmen verdingen.
Zum Glück ist es nicht so, und auch mit der Beate Uhse AG dürfte es infolge des Erotikbieres rapide abwärts gehen.
Denn wie heißt es bei Shakespeare:
Geistiges Getränk steigert das Verlangen, aber erschwert die Ausführung.
Dieser Eintrag wurde verfasst am Freitag, 19. Mai 2006 um 14:59 und in der Kategorie Politik, Freizeit und Events, Wirtschaft und Arbeit abgelegt. Antworten auf diesen Beitrag kannst du mit dem RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst außerdem einen Kommentar abgeben oder einen Trackback von deinem Blog senden.



19. Mai 2006 um 15:54
“Was halten wir nun aber davon?”
Musst Du eigentlich unbedingt im Krankenschwestern-Wir schreiben? Steh doch mal hinter Deiner eigenen Meinung und sage ‘ich denke/halte/finde das […]’ anstatt zu versuchen andere ungefragt mit in Dein Meinungsboot zu nehmen.
Und wie groß/führend ist eigentlich Orion? Und ist die Beathe Uhse New Medien nicht eine eigene Firma, und auch nicht ganz klein?
Das Bier im übrigen wird aus einem anderen Grund ein Flop: es schmeckt nicht.
19. Mai 2006 um 16:29
OK, die Ironie hat sich wohl an dieser Stelle ein wenig verborgen.
Im Ernst würde ich diesen Plural nie gebrauchen.
Gut zu wissen, daß das nicht schmeckt.
Dann kann ich ja auf einen Selbstversuch verzichten.
19. Mai 2006 um 19:07
Ironie ist wie Knoblauch: in geringen Dosen sehr lecker, wenns zuviel wird stinkts einfach nur noch und schlägt auf den Magen.
Und genau wie unmengen Knoblauch nicht automatisch jedes Essen lecker machen, macht Ironie nicht jeden Text lesenswert. Eher im Gegenteil.
Meiner Meinung nach ist Ironie ein denkbar schlechter Weg um Kritik zu üben. Kritik sollte klar verständlich sein, und nicht versteckt in belustigenden Wortgebilden.
Geschmäcker sind aber natürlich unterschiedlich, und das nur meine persönliche Meinung dazu - Was Du für Dich machst ist und bleibt selbstverständlich Deine Sache.
4. September 2007 um 21:40
Jeder sollte Kritik so aeussern so wie er mag. Ob nun mit Ironie oder ohne…. aber auf den Selbstversuch verzichte ich auch freiwillig :o)
26. September 2007 um 10:54
nett geschrieben, weiter so :>
lg andi