Flensburg-Blog: Das Weblog von Flensburgern für Flensburger

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April 2006
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So
23
Apr '06

Carmen

Am 6.5. ist Prmiere der Flensburger Aufführung der klassischen Oper von Georges Bizet.
Wenn diese die Verfilmung von Carlos Saura übertrifft, wird man zufrieden sein dürfen.

Stadttheater: Nordergraben 2-6

Stillleben in einem Graben

So betitelt ist ein Theaterstück von Fausto Paravidino, das am 28.April um 19.30 Uhr im Stadttheater zu sehen sein wird.
Es handelt sich um ein Kriminalstück, in dem sich kleinstädtische Abgründe auftun.

Stadttheater: Nordergraben 2-6

Kiss me Kate

Was aber antwortet Kate (also etwa: Käthchen) auf diese obszöne Aufforderung?
Das wird man in Erfahrung bringen können, wenn man sich am 26.4. um 19.30 Uhr an der kleinen Bühne einfindet.
Dort wird der sogenannte Musical-Klassiker gegeben, dessen Titel die Überschrift bildet.
Meiner Auffassung nach aber ist “Musical-Klassiker” ein Widerspruch in sich.
Denn sind diese Musicals nicht alle weitflächig, undifferenziert und voll von ganz großen Gefühlen, die nichts neben sich dulden?
Doch, so ist es.
Das einzige großartige Musical, das es überhaupt gibt, ist “Little Shop of Horrors” (Der kleine Horrorladen), groß zumindest in der filmischen Inszenierung von Frank Oz (Ende der achtziger Jahre).
Dabei handelt es sich aber in jeder Hinsicht um ein Anti-Musical.

Kleine Bühne: Nordergraben 12

Sa
22
Apr '06

Williams Birne

Kryptischer Titel für ein Theaterstück, das am 19.4. auf der kleinen Bühne zu sehen war.
Läßt an einen Birnensorte und an den daraus gewonnen Obstbrand denken.
Das ist natürlich Absicht. Aber nun bedenkt mal, daß “William” der Name Shakespeares war (oder immer noch ist, denn mit dem Tode des Künstlers vergehen weder Werk noch Name).
Und bedenkt außerdem, daß “Birne” - wie übrigens auch “Rübe”, “Zwiebel” und “Gurke” - vulgärmetaphorisch den Kopf eines Menschen bezeichnet.
Es geht eben tatsächlich um das, was Shakespeare Ende des Sechzehnten, Anfang des Siebzehnten Jahrhunderts so in seiner Denkmurmel ausgebrütet hat.
Wie, in einer Murmel wird nichts ausgebrütet?
Ich habe mich mithin des Gebrauchs einer Katachrese schuldig gemacht?
Schön, daß Ihr aufpaßt, liebe Leser.
Wenn ich Euch nicht hätte!
“Williams Birne” jedenfalls ist ein Projekt des Theater Jugendclubs.
Nichts Geringeres ist angestrebt als eine Entdeckungsreise durch die Welt des respektablen Dichters, der in unserer Zeit geradezu als Inbegriff der Dichtkunst gilt.
Damit - und ich kann mich nicht enthalten, das zu sagen - ist er nun aber doch überschätzt. Der größte Dramatiker aller Zeiten ist nicht Shakespeare, sondern Peter Hacks.

Flensburg Jazz Session

Es wird gejammt, was das Zeug hält.
Wer weiß nicht, was das ist, das Jammen?
Nun, da braucht ihr Euch doch nicht zu schämen.
Hier werdet ihr aufgeklärt:
Jammen ist eine im Jazz, im Blues und im Rock verbreitete Praxis. Es steht zwischen bloßem Üben einerseits und Aufnahme resp. Konzert andererseits.
Man findet sich eben recht zwanglos zusammen und improvisiert gemeinsam ohne direkte Ambition, aber mitunter doch, um sich spielend / spielerisch über sein technischen / stilistischen Optionen bewußt zu werden.
Und eben solches kann man am 26. 4. um 20.30 Uhr im Kühlhaus sehen und hören.
Glücklicherweise ist das keine Ausnahme. Seit einiger Zeit findet das Jamming einmal im Monat statt.
Höre ich da jemanden sagen: “Da gehe ich doch nicht hin! Wenn die sich da bloß ausprobieren, dann ist mit mein Geld dafür zu schade!”?
Na, da trifft es sich doch, daß der Eintritt frei ist.
Na, endlich doch überzeugt?

Kühlhaus: Beim Bahnhof

Das Lüdemann Improvisationstheater kommt

… und man muß auch nicht mehr lange warten:
Am 22. April um 20.30 Uhr werden die Kieler ihr Programm “Jede Szene eine Premiere” im Orpheus Theater vorstellen.
Aber eigentlich handelt es sich ja gar nicht um ein Progranmm, vielmehr ist der TITEL Programm. Tatsächlich ist jede Szene eine Premiere.
So wie man sie am 22. sehen wird, hat man sie noch nie gesehen und wird man sie auch nie wieder sehen. Denn das Improvisationstheater trägt seinen Namen durchaus zurecht:
Sämtliche Szenen sind improvisiert. Und wer das nicht laubt, der kann sich selbst davon überzeugen: einfach hingehen und den Schauspielern ein Stichwort zurufen - denn Stichworte aus dem Publikum sind ihre Spezialität.
Und in Sekunden werden die Künstler beginnen, das Stichwort des Zuschauers in eine Szene zu übertragen.
Nun hat das alles seine Grenzen:
Ruft man zum Beispiel
“Katachrese”,
so bekommt man vielleicht nur ein
“Hä?”
als Antwort.
Dennn schließlich kann niemand alle Fremdwörter kennen.
Natürlich können sich Zuschauer oft nicht enthalten, den Künstlern Obszönitäten wie “Bumsen”, “Guido Westerwelle” oder gar “semiinzestuöse Semipädophilie” zuzurufen, aber damit können die Theaterleute durchaus umgehen.
Also, einfach mal hin.

Orpheus Theater: Marienstraße 1

De Deern is richtig

Das ist der Titel eines niederdeutschen Stückes, das zum Beispiel am 23.April im Stadttheater zu sehen ist.
Selbstredend handelt es sich hierbei um ein Lustspiel.
Und zwar um eines aus dem ländlichen Raum.

Stadttheater: Nordergraben 2-6

De Aantenkrieg

Das ist eine niederdeutsche Komödie, dei am 19.4. im Stadttheater lief.
Es geht um den Widerstreit von geistlicher und weltlicher Macht, der sich in einem Boxkampf zwischen Bürgermeister und Pastor manifestiert.
Recht sonderbar, denn es wäre doch die Pflicht des Pastoren, immer auch die andere Wange hinzuhalten.
Und wenn er dieser seiner Pflicht nachkommt, dann mag doch wohl kein rechter Kampf zustande kommen.
Außerdem erinnert das Ganze schon reichlich an Don Camillo. Aber wenn ich mich recht entsinne, war der Bürgermeister bei Don Camillo und Peppone, nämlich eben dieser Peppone, Kommunist.
Tja, das geht hier nun leider nicht, denn seit der NS-Zeit (gespenstische Kontinuität) gibt es in diesem unserem Lande keine kommunistischen Bürgermeister mehr.
Aber es reicht ja, wenn der Bürgermeister Agnostiker oder Atheist ist, um das Ganze ein wenig zu würzen.

Was macht eigentlich das schleswig-holsteinische Sinfonie-Orchester?

Gute Frage, nicht?
Und die Antwort lautet:
Es hat sich am 19.4. im Deutschen Haus eingefunden.
Walter Proost dirigierte.
Und zwar Werke von Brahms, Beethoven und Schumann.
So war das.

Barfoot bet an´n Hals

So heißt das niederdeutsche Theaterstück, das am 22. April um 20.00 Uhr im Stadttheater aufgeführt wird.
Es handelt sich um eine englische Komödie, die eingeplattdeutscht wurde.
Reichlich boulevardesk leider, denn man traut dem Niederdeutschen nicht zu, Bedenkenswertes, Schönes, Wahres, Gutes, ja wahrhaft Komisches (im Unterschied zu dumpfem Frohsinn) zu vermitteln.
Es geht um Männer in finanziellen Schwierigkeiten, die auf den Trichter kommen, daß man mit Strippen Geld verdienen kann.
Aber selbst sowas Schwachsinniges wie Strippen will gelernt sein, so finden sie heraus - und dann erst das Teasen.
Und schließlich sollte derjenige, der sich entblättert, dann auch einigermaßen ansehnlich sein.
Wer sich für solche Probleme interessiert, der ist in diesem Stück richtig.

Stadttheater: Nordergraben 2-6

Broschmann und Finke

“Nützt ja nix” - so heißt das neue Comedy-Programm von Broschmann und Finke.
Zugereisten sei gesagt: “Nützt ja nix” ist eine im niederdeutschen Sprachraum geläufige Redewendung, die man dann anwendet, wenn man Grund hat, sich zu ärgern. “Nützt ja nix” bedeutet also soviel wie “Es hat keinen Zweck, sich zu erregen. Daher verharre ich in meiner kontemplativen Haltung.”
So, da das nun geklärt ist, zurück zum Trio Broschmann und Finke.
Nein, liebe Leser, ich habe keinen Fehler gemacht.
Nicht um ein Duo, wie der Name nahelegt, sondern um ein Trio handelt es sich bei dieser ausschließlich männlichen Comedy-Gruppe.
So ohne weiteres einordenen lassen sich die drei in ihrer Gesamtheit nicht (aber das gilt ja für viele).
Was sie präsentieren, ist eine Nummernrevue, die aus Kabarett, Pantomime und manchem anderem besteht.
Am 28. April um 20.00 Uhr kann man sich ein eigenes Urteil im NDB-Studio des Stadttheaters bilden.

Stadttheater: Nordergraben 2-6

Ina Müller ist eine Göttin

Es ist ja schon die eine oder andere Woche her, aber laßt mich dich mal darauf zurück kommen:
Ina Müller las und sang auf platt.
Und zwar im Stadttheater.
Bevor nun einige die Augen verdrehen und sagen: “Platt! Das ist ja wohl das Letzte!”, muß ich doch sehr bitten, mir noch ein wenig zu folgen.
Den Vorwurf der Provinzialität müssen sich diejenigen, die sich auf platt präsentieren, von den meisten doch schon mal von vornherein nicht gefallen lassen. Denn wer tatsächlich gern die üblichen deutschen Filmkomödien sieht, beweist damit seinerseits Provinzialität; denn was könnte dumpfer und spießbürgerlicher sein und provinzieller wirken als jene Filmchen mit den ausgelutschten Pointen, Filme, die “Schuh” resp. “TRaumschiff” im Titel führen (ich will ja nicht noch deutlicher werden).
Da seht Euch lieber die schöne Filmkomödie “Keeping Mum” (oder, wie die deutschen Filmtitulisten sagen, “Mord im Pfarrhaus”), an.
Aber ich schweife ab.
Ina Müller muß sich nämlich den Vorwurf der Provinzialität nicht nur von gewissen Menschen nicht machen lassen, sondern von niemandem.
Sie verbindet das Niederdeutsche mit Weltläufigkeit und ist weit davon entfernt, ihre Muttersprache (denn Hochdeutsch hat sie tatsächlich erst in der Schule gelernt) als bloße Skurrilität vorzuführen.
Sie widmet sich ihrer Komik mit Ernst und Temperament.
Und ihre enorme Präsenz, ihre seltene Ausstrahlung ist ohne Zweifel auch eine erotische.
Tja Herrschaften, Ina Müller ist halt wunderschön, ihre Mimik zu betrachten ist ein Fest, die Ausdrucksintensität ihrer Augen ist exzeptionell und verrät ein hohes Maß an Sensibilität - als ob es dieses Beleges bedürfte: Denn ihre Texte sind gut gebaut, und ihre Rezitationskunst ist nicht ohne Subtilität.
Aber dann kann diese Frau auch noch singen und beweist in der Musikauswahl Geschmack sowie in der Bearbeitung Einfallsreichtum.
Also, wenn sie das nächstemal in der Nähe ist, dann müßt ihr einfach mal hin.
Nicht daß Ina Müller diese Werbung meinerseits nötig hätte: Der letzte Auftritt in Flensburg war früh ausverkauft.
Also haltet Euch ran.

Do
6
Apr '06

Freak Show im Speicher Club

Derart freakig geht es dort am 15.4. ab 23.00 Uhr zur Sache, und Ihr seid mit 4 € dabei.
Im Metalheadz Paradise nämlich.
Ein Paradies, in dem eben höllisch Lärm gemacht wird. So soll es sein, das erklärt aber auch die Affinität der Metaller (nicht im gewerkschaftlichen Sinne) zum Satanismus, oder nicht?
Schon die Metal-Urväter von Led Zeppelin konnten und wollten ihre Neigung zum Prince of Darkness nicht verheimlichen.
Also haben Journalisten am 15.4. doch wirklich mal Gelegenheit, vielen Metal Minds die Gretchenfrage zu stellen, die in diesem Fall lauten muß:
Wie haltet ihr´s mit Humanismus, Aufklärung, Menschenwürde, Grundrechten?

Speicher Club: Schiffbrücke 32 c